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Interview mit Thomas Kienle zu Verkehrskonzept und Radverkehr

14. Januar 2021

Ich bin seit 1993 Mitglied in der CDU und vertrete diese seit 1999 im Ulmer Gemeinderat – seit 2010 als Sprecher der Fraktion.

Wir setzen auf ein breit gefächertes Mobilitätsangebot. Nur im Zusammenspiel von Fußgängern, Radfahrern, Bus und Straßenbahn, MIV, sowie Zug und Regio-S-Bahn gelingt ein modernes Verkehrskonzept für die Stadt Ulm und das Umland. Unsere zentralen Anliegen sind:

  • Ulm ist weltweit führend in der Wasserstoffforschung. Die Busflotte muss nach und nach auf Wasserstoffantrieb umgestellt werden.
  • Die Innenstadt muss auch weiterhin mit dem Auto erreichbar sein. Die Anwohner und Händler in der Innenstadt sind auf Anlieferungen (auch von Kunden) angewiesen. Sonst blutet unsere Innenstadt weiter aus. Deswegen muss der sogenannte Altstadtring weiterhin leistungsfähig bleiben. Durch ihn sind alle Parkhäuser gut zu erreichen.
  • Wir setzen auf eine Stärkung des Radverkehrs, wo dies Sinn macht. Dies sind insbesondere Radschnellwege ins Donautal oder nach Dornstadt. Aber auch innerorts setzen wir uns für zusätzliche Aufstellstreifen vor Ampeln und Protected Bike Lanes ein. Wir sprechen uns gegen reine Verdrängungsmaßnahmen gegenüber dem MIV aus, wenn bereits gute Alternativrouten existieren. Am Bahnhof setzen wir uns ein für ein umfassendes Fahrradparkhaus bzw. Fahrradabstellanlagen.
  • Das Ladesäulen-Netz in Ulm muss weiter ausgebaut werden. Erst wenn eine ausreichende Abdeckung geschaffen ist, werden auch mehr Einwohner auf ein E-Fahrzeug umsteigen. Öffentliche Ladesäuen sind hierbei genauso wichtig wie Quartiersladestellen bzw. Heimanschlüsse.

Die Stadt Ulm ist im stetigen Wandel. Bei jeder Baumaßnahme schauen wir genau darauf, wie insbesondere der Fuß- und Radverkehr gestärkt werden kann. Als großes Projekt der letzten Jahre wurde vor nicht allzu langer Zeit die Straßenbahnlinie 2 eingeweiht. Dies hat die Personenbeförderungszahlen der SWU deutlich ansteigen lassen. Zu vielen weiteren Punkten haben wir (auch mehrfach) Anträge gestellt. Dass diese bisher nicht umgesetzt wurde, liegt im mangelnden Interesse der anderen Fraktionen oder Stadtverwaltung.

Wir halten eine Bevorzugung nicht für zielbringend – vielmehr eine Gleichberechtigung. Reine aus Ideologie geborene Verdrängungsmaßnahmen gegenüber dem MIV bringen keinen Mehrwert. Wie bereits beschrieben, sind viele Händler in der Innenstadt auf (Kunden-)Anlieferungen angewiesen. Wird an gewissen Stellen dem Autoverkehr Raum entzogen, wird dies zwangsweise zu Stauungen führen. Dies ist auch für die Klimabilanz nicht dienlich. Dennoch: Es muss ein zusammenhängendes, attraktives Radnetz  geschaffen werden, dass bspw. gerade beim täglichen Weg zur Arbeit mehr Leute auf das Fahrrad umsteigen. Gerade in diese Pandemiezeit haben wir einen starken Anstieg der Radverkehrs feststellen können. Meist jedoch als Ersatz zum ÖPNV und nicht gegenüber dem Auto.

Schwierigkeiten ergeben sich aus begrenzten finanziellen Mitteln, sowie nur begrenzt zur Verfügung stehendem Raum. Ebenso spielt die Akzeptanz der Bevölkerung eine wichtige Rolle.

Damit weitere Bürger auf Alternativen zum Auto umsteigen, müssen entsprechende Anreize gesetzt werden. Dies geschieht durch eine Attraktivierung der Radwege, wie auch der ÖPNV Verbindungen – nicht durch Restriktionen gegenüber dem MIV.

Siehe oben:

  • Wasserstoffbusse
  • Zulassung von E-Fuels an Tankstellen
  • Radschnellweg ins Donautal
  • Lückenschlüsse im bestehenden Radnetz
  • Fahrradabstellanlagen am Hauptbahnhof
  • Großräumige Ausschilderung von Park+Ride-Plätzen
  • Umsetzung der Regio-S-Bahn
  • Ausbau des (öffentlichen) Ladenetzes
  • Einrichtung von Warenabholstationen für Einzelhändler bspw. in Parkhäusern

Das ist korrekt. Deswegen haben wir bereits lange vor dem ADFC auf diesen Missstand hingewiesen und durch Anträge und in diversen Ausschüssen die Verwaltung aufgefordert, endlich entsprechende Flächen für Fahrradabstellanlagen zu benennen. Wir setzen uns ein für ein Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof.

Das hat es in der Tat. Bei vielen ist das Bewusstsein gegenüber dem Klimawandel gestiegen. Aber auch die Steigerung der Attraktivität von Fahrradwegen und ÖPNV in Ulm hat dazu beigetragen. Nicht zuletzt ist durch die Coronapandemie vielen das Thema Gesundheit bewusst geworden und schätzen die tägliche Fahrt mit dem Fahrrad.

Ja, weswegen wir uns auch für eine Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer einsetzen und nicht die auf Ideologie basierte Bevorteilung einzelner Verkehrsträger. Nicht alle Einwohner können beliebig das Verkehrsmittel wechseln, sondern sind auf ein Auto angewiesen.

Akzeptanzprobleme können wir nicht feststellen. Aber auch wir können von gefährlichen Begegnungen zwischen Fahrrad und Auto in Fahrradstraßen berichten. Solche Situationen entstehen vor allem, wenn sich mehrere Verkehrsteilnehmer den gleichen Verkehrsraum teilen, folglich auch zwischen Radfahrern und Fußgängern, wenn sich letztere bedrängt fühlen. Wir setzen daher auf klare Regelungen und nach Möglichkeit baulich getrennte Verkehrswege.

Wir möchten die Gelegenheit nutzen, darauf hinzuweisen, dass auch Radfahrer sich an die geltenden Verkehrsregeln zu halten haben. Mit besorgniserregender Zunahme sieht man Radfahrer im täglichen Verkehr über rote Ampeln fahren, auf Rücksichtnahme zu verzichten bzw. weitere Verkehrsverstöße. Der „schwächere“ Verkehrsteilnehmer kann auch nur geschützt werden, wenn er sich vernünftig verhält. Dies gilt selbstverständlich nicht für alle Radfahrer, ebenso wenig sind alle Autofahrer Rowdies – führt aber natürlich zu einem Akzeptanzproblem auf Seiten der Autofahrer.

Ich bin leidenschaftlicher Radfahrer. Meine täglichen Strecken in der Stadt lege ich mit dem Fahrrad zurück. Dies tue ich bei jedem Wetter. Von meinem Wohnort in Söflingen zu meiner Kanzlei in der Oststadt, sowie zu zahlreichen Sitzungen verstreut über die ganze Stadt, auch bis in die Ortsteile. 

Ich bin täglich dem Fahrrad unterwegs und bin durch meine politische Tätigkeit noch näher an den Themen dran als beispielsweise der ADFC. Mehr geht leider kaum.

Jede Teilstrecke in der Stadt muss individuell betrachtet werden. Selbstverständlich wünsche ich mir, dass es in der Stadt mehr Rad- und Fußwege gibt. Doch ist Ulm eine historisch gewachsene Stadt, die sich bemüht, die modernen Gegebenheiten zu meistern. Gerade der zur Verfügung stehende Raum ist knapp. Daher braucht es Kompromisse in alle Richtungen. Nicht jede Straße braucht einen separaten Fahrradweg, wenn hierzu parallel eine entsprechende Verbindung bereits besteht.